Meine Geschichte mit der Magersucht 03

(Hallo liebe Spontanbesucher, was ihr hier finden werdet, ist meine Geschichte mit der Magersucht, die sich gegen 2010 abgespielt hat, mich gefangen hat und dann nach einem guten Jahr wieder entfesselt hat. Warum ich das blogge? Weil ich schon oft genug an mir gemerkt habe, wie gut es sich manchmal anfühlt, etwas zu lesen, wo man wiederfindet. Wo man weiß, dass X und Y fast das selbe durchgemacht haben wie ich, dass man keine Angst haben muss, dass man alleine steht, dass man keine Angst haben sollte darüber zu reden. Wenn ihr also irgendwelche Fragen an mich habt oder euch äußern wollt, dann schreibt mir eure Kommentare, ins Gästebuch oder eine Email. Ich kenne mich hier noch nicht so gut aus, weiß also nicht, ob ihr meine Email-Adresse lesen könnt. Ansonsten kocht euch jetzt einen Tee und öffnet euer Herz für einen kleinen weiteren Abschnitt von meiner geschehenen Geschichte.) Ich möchte noch etwas relativ beim Anfang bleiben, wo ich noch auf die weiterführende Schule ging, damit die Erinnerungen nicht immer von A nach H und wieder zurück zu B springen müssen und ihr es auch einfach habt, das Erlebnis nachzuvollziehen. Meine Mutter hatte mir jeden Morgen für die Schule zwei Toastbrote zubereitet, belegt mir Käse, Wurst und Salat. Eigentlich super lecker, jedoch hab ich nach einiger Zeit aufgehört in den Pausen zu essen. Zuhause gefrühstückt und dann bis zum Mittagessen gewartet. Was ich mit den belegt Broten gemacht habe? Weggeschmissen? War mir zu schade, immerhin war es mit Liebe gemacht. Es gab immer irgendwo einen hungrigen Schüler, der sein Pausenbrot mal zuhause vergessen hat. So habe ich mich jeden Tag gefreut, jemanden die Pause gerettet zu haben und habe gleichzeitig paar neue Bekanntschaften gemacht oder für die eine oder andere Pause jemanden gehabt, mit dem ich quatschen kann, mich bisschen vom essen ablenken lassen… und den gegenüber beim Essen zuzusehen und einfach glücklich zu sein, dass ich es nicht essen muss. Ich war manchmal so glücklich, dass ich so eine wunderschöne Disziplin hatte, dem Essen zu wiederstehen. Sehr oft hat mein Magen in den ersten 4 Stunden geknurrt, habe mich auch dafür geschämt, es aber mich irgendwelchen Mitteln unterdrückt. Irgendwann haben mich die Gedanken, Blicke und Worte der anderen nicht mehr interessiert, und dünn genug war ich auch noch nicht, dass sie Verdacht schöpfen könnten, dass ich am hungern bin. Irgendwann habe ich auch angefangen mit dem Fahrrad in die Schule zu fahren. Im Sommer noch mit N. und D., die seit der dritten Klasse in derselben Schule wie ich waren. Im Winter haben die beiden es aber nicht mehr lange durchgehalten, es war Ihnen zu kalt, mir aber nicht. Mir war es egal, wie kalt es ist. Mir war egal, was ich fühle, ich wollte nur Kalorien purzeln lassen. Ich bin fast jeden Tag mit dem Fahrrad gefahren. Auch der Sport im Privatleben hat mich vollkommen im Bann. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich wirklich jeden verdammten Tag, ob Regen, Schnee, Sturm oder Sonne, ich war jeden Abend laufen. Mittlerweile, nach ca. einem halben Jahr, hatte ich eine Ausdauer wie ein Leopard. Ich bin eine Stunde durchgelaufen, mit vielleicht nur 5 Minuten Dehnpause. Darauf bin ich auch jetzt noch stolz. Jeden Abend die selbe Routine: Jogginganzug an, schwarzen Kaffee trinken, dehnen, mit Musik pushen, raus gehen, 10 Minuten schnell gehen, um den Puls zu steigern und dass der Kaffee nicht direkt wieder raus kommt, dann eine Stunde laufen, manchmal bin ich echt gesprintet, von einer Laterne bis zur anderen, dann wieder langsam joggen bis zur nächsten Laterne und wieder bis zur nächsten sprinten. Nach dem Laufen habe ich mich zuhause wieder paar Minuten durchgeschwitzt gedehnt, danach duschen gewesen und sobald meine Haare trocken waren, habe ich mich mit immer noch leerem Magen gewogen. Es waren immer paar Gramm weniger als am Morgen. Damals habe ich mich noch immer auf der Wii gewogen, hatte somit eine Tabelle, bisschen Lob von dem Mii bekommen und wenn ich Lust hatte, konnte ich dort mit mehr Abwechslung paar Übungen machen. Innerhalb… von einem halben Jahr… ca. 6-8 Monate… ungefähr… hatte ich mich von 70 Kilogramm… auf 46 Kilogramm gehungert… Das ist für mich selbst noch unbegreiflich. Nicht vorstellbar. Aber ich war so extrem abgemagert. Ich kann euch die Tage mal Bild von mir hochladen, wie ich an Weihnachten 2010 aussah. Wie ich so stolz war, dass ich in ein XXS Jeanskleid reingepasst habe, lange habe ich es oft anprobiert und nie gepasst. Es war so eng, ich hatte fast gar keine Brust mehr da drinnen, man konnte meine Schlüsselbeinknochen sehen, vollkommen. Aber mir es so gut dabei, jedes Mal, wenn ich wieder dünner wurde, habe ich wie ein Adrenalin Schub bekommen, nochmal mit Energie gefüllt worden, ich war wieder glücklich. Ich konnte wieder positiv denken, lächeln und tanzen. (Danke für eure Aufmerksamkeit. Ich wünsche euch allen noch einen wunderschönen Donnerstag und bleibt auf dem Boden ihr Lieben! Lasst euch von niemand beeinflussen, nicht von Freunden, von Eltern, von Bekannten, Verwandten, auch nicht von Ana oder Mia. Seid euer eigener Herr über euren Körper, glaubt nicht, dass Ana oder Mia euch stark machen, nein, erst, wenn ihr sie als Rivalen habt, seid ihr stärker als sie, bekämpft sie und lasst sie alleine weinen.)

1 Kommentar 9.10.14 10:27, kommentieren

Werbung


Meine Geschichte mit der Magersucht 04

Alle Symptome des Untergewichts wurden Alltag für mich. Morgens stand ich auf, zu aller erst überfiel mich ein Schwindel, mir wurde schwarz vor Augen, doch ich ignorierte es, denn ich kannte meine Wohnung mit verbundenen Augen auswendig. Ich schlief jeden Abend mit offenem Fenster, selbst im Winter, deswegen war der Morgen für mich, als würde ich mich nackt im Schnee walzen. Ich schloss das Fenster, drehte die Heizung auf, zog mir fünf Pullover an und drei Socken, ging in die Küche und warf den Wasserkocher an. In der Zeit wo das Wasser aufkochte, ging ich ins Bad, drehte das heiße Wasser auf und hielt mindestens fünf Minuten meine Hände darunter, putzte mir die Zähne, betrachtete mich im Spiegel, begutachtete mein Fett, auch wenn ich fast nur noch aus Haut und Knochen bestand. Meine blauen Lippen, blauen Hände, rote Nase, eingefallenen Augenlider, überall blaue und lilafarbene Venen auf meiner Haut, die Schlüsselknochen die in jeder Position zu sehen waren. Ich atmete nochmal tief den warmen Dampf vom heißen Wasser ein und zischte dann in die Küche, drei Löffel löslicher Kaffee, zwei Süßstoff, heißes Wasser, vielleicht ein bisschen Kaffeeweißer und zurück in mein Zimmer. Inzwischen hat sich mein Zimmer ein wenig mit Wärme gefüllt, es war nicht mehr ganz so unerträglich. Ich schaltete mein Fernseher ein, dann die Wii, dann das Wiiboard, hielt in der Zwischenzeit meinen Kaffee fest, um mich daran zu wärmen, trank aber noch keinen Schluck, denn davor musste ich mich mit leerem Magen wiegen, Tradition, jeden Morgen, nach dem Zähneputzen, nach dem Urinieren, vor irgendeinem Bissen oder Schluck, nackt. Ich zog mir langsam aus, litt wegen der Kälte, alle meine Körperhärchen stiegen zu berge und ich muss gestehen, je weniger ich wog, um so stärker wurde dieser Flaum am ganzen Körper. Ich bekam dreifache Gänsehaut und als ich endlich nackt war, stieg ich auf die Waage. Davor diese paar Minuten bevor ich auf die Waage steige, diese paar Minuten, de meinen gnzen Tag bestimmen werden, diese paar Minuten, auf die ich einen ganzen Tag hinarbeite, sind wie ein Sprung vom zehnten Stock. Manchmal schloss ich die Augen als die Wii mich gemessen hat, ich stellte mir bildlich vor wie ich fiel, tiefer und tiefer. Erst als ich gehört habe, dass die Wii mich zuende gewogen hat, öffnete ich die Augen und entschied, ob ich den Sturz überlebt habe oder nicht. Ich überlebte, Morgen für Morgen, Tag für Tag, Kampf für Kampf, Sprung für Sprung. Mal fiel ich tiefer, manchmal weniger tiefer. Am schwierigsten ist es zu beschreiben, wie sich eine Magersüchtige fühlt, wenn sie noch ein Stück mehr abgenommen hat, wenn sie noch paar Gramm dem Tode näher gekommen ist. Man kann es kaum beschreiben. Es ist wie eine Droge, eine Sucht, jedoch keine körperliche Abhängigkeit. Dann, wenn man auf die Waage steigt und sieht, dass man paar hundert Gramm weniger wiegt, dann geht ein Feuerwerk im Kopf auf. Die Pupillen werden weiter, der Gang aufrechter, der Stolz größer, der Mut stärker, der Wille extremer, der Egoismus ist wie eine rosarote Brille. Alles wird ausgeblendet, ausgeschaltet, dir wird alles egal. Egal wie es der eigenen Familie geht, der eigenen Mutter oder ob der eigene kleine Bruder Probleme hat. Man braucht keine Freunde mehr, man braucht niemanden. Man kann nur noch sich selbst vertrauen, niemand soll mich beeinflussen können, nur ich selbst habe über mich die Kontrolle. Die Kontrolle darüber wie ich Aussehe, was ich esse und was ich mit meinem Körper anstelle. Irgendwann, kurz nachdem ich so tief gefallen bin, dass ich nicht mehr raus konnte, fing ich auch an mir selbst Schmerzen zuzubereiten.

18.10.14 13:23, kommentieren