Meine Geschichte mit der Magersucht

Mein Name ist Anastasia, ich bin dieses Jahr im Juli 19 Jahre geworden und hatte von Sommer 2010 bis Frühling 2011 erst Bulimie und danach die Magersucht. Ich war fünfzehn, in der achten oder neunten Klasse und zwischen 165 und 170 Zentimeter groß. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben, war ich ein glückliches Mädchen, kam mit jedem Menschen gut zurecht, hatte keine Ansprüche, auch keine hohen Verhältnisse, da meine Eltern geschieden sind und ich mit meinem jüngeren Bruder und meiner Mutter, als ich ungefähr 8 Jahre war, von meinem Vater geflohen sind. Ich würde nicht sagen, dass ich eine schreckliche Kindheit hatte, es ist einfach nur die Erinnerung daran, wie unser Vater uns in trunkener Verfassung geschlagen hast, gezwungen zu lesen, lernen oder uns sehen lassen hat, wie er unsere Mutter blutig geschlagen hat. In manchen Momenten meines Lebens, wenn ich die alten Bilder in meinem Kopf hervorhebe, was sehr schnell geht, dann sehe ich immer wieder meine blutende Mutter im Bad, meinen Vater, der mich schäumend aus dem Mund anschrie oder wie er mit Kinderbüchern nach meiner schwangeren Mutter warf und traf. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben, habe ich mich nie mit meinem Aussehen oder Körper auseinander gesetzt, das tat meine Mutter für mich. Ich habe gegessen, was auf den Tisch kam und immer brav aufgegessen. Ich hatte viele Freunde, war viel unterwegs, hab viel gelacht und hatte keine Geheimnisse vor meiner Mutter. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben, habe ich nie auf das reagiert, was andere zu mir sagen. Viel zu viel Selbstbewusstsein hat alle negativen Kommentare abgewehrt... ...bis zu einem bestimmten Zeitpunkt... Ich kann mich noch sehr gut an einen Abend erinnern, wo ich an einem Sommertag gegen neunzehn oder zwanzig Uhr nachhause kam und Hunger hatte. Meine Mutter und mein Bruder hatten schon zu Abend gegessen, also habe ich mir Spagetti mit Tomatensoße in ein Teller gegeben und mich damit vor den Fernseher gesetzt. Ohne richtig zu kauen habe ich die Spagetti runter geschlungen und mir einen zweiten Teller vollgemacht, der genauso schnell runter ging. Nichts hielt mich davon ab, mir noch ein weiteren Teller zu holen, es hat einfach so super lecker geschmeckt und da ich fast den ganzen Tag unterwegs war, nichts warmes gegessen hatte und relativ viel Bewegung hatte, hat mich das Essen so gepackt. Als ich mit dem dritten Teller vor der Glotze saß, sagte meine Mutter auf Russisch: Hör auf so viel zu essen Kind! Du wirst sonst noch Fett“, das hat sie natürlich mit Humor unterstrichen, doch wie man weiß, steckt hinter jedem Scherz ein Stück Wahrheit. Ich erwiderte mit irgendwas Ähnlichem wie 'ist mir egal' oder 'werde ich schon nicht'. Nach diesen drei Tellern war ich satt, vollkommen satt. Mein Bauch hat sich ausgedehnt, ich hab mich auf das Sofa gelegt, mein Nintendo DS hervor gezückt und den Rest des Abends verdaut. Bis zu einen bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben, war ich nie gut in der Schule, ich hatte immer schlechte Noten, wollte nie lernen, war immer lange mit Freunden draußen oder saß vor dem Computer. Kurz nach dem Abend, warum auch immer er mich so geprägt hat und mich immer wieder aufs neue anwidert, war ich in der Schule, eigentlich sollte es ein ganz normaler Schultag werden, wie immer, den Unterricht so schnell wie möglich überbrücken, in den Pausen mit meinen Freunden zum Kiosk in der Mensa gehen, was zu essen kaufen, mein Schulbrot essen, auf dem Schulhof herum toben und bei Schulende nachhause fahren und warm zu Mittag essen. Doch irgendwie, weshalb auch immer, haben mich an diesem bestimmten Tag die Worte eines Mitschülers sehr mitgenommen. Mir wurde schon öfters mal mit einem spöttischen Grinsen vom selben Klassenkameraden gesagt, dass ich dick bin. Und da ich in der fünften Klasse mal wegen meiner schiefen Zähne gemobbt wurde, wurde ich gegenüber solchen Kommentaren immer kalt. Dies hat sich aber bei Einführung der Zahnspange gelegt. Doch an diesem bestimmten Tag, in dieser einen Pause, hat er das so betont, so laut gesagt, so überaus spöttisch und ernst, dass es durch meine dicke kalte Mauer kam und sich wie eine witzig kleine eisige Schneeflocke in mein Kopf eingepflanzt hat. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben, haben Bulimie, Anorexie Nervosa, Körpergewicht, Aussehen, Diäten, Kilokalorien, Abnehmen, Sport, Tabletten und Essen keine Rolle in meinem Leben gespielt. (Wie es folgt, werde ich an einem anderen Tag bloggen. Danke für deinen Besuch und deine Aufmerksamkeit, ich hoffe ich habe es einfach und verständlich beschrieben. Es ist schon lange ein Wunsch von mir gewesen, meine eigene Story zu veröffentlichen, es endlich in die Welt raus zu schreien, denn es fühlt sich manchmal so gut an, wenn man andere Blogs liest und sich verstanden fühlt, sich nicht mehr alleine fühlt.Vor allem wollte ich schon immer mal aus dieser Erfahrung die ich mit der Magersucht gemacht habe, eine eigene kleine Geschichte schreiben und nun versuche ich mir nach drei bis vier Jahren mit diesem Blog einfach mal, einen kleines Stück von diesem Traum in Erfüllung gehen zu lassen.)

6.10.14 15:20

Letzte Einträge: Meine Geschichte mit der Magersucht 04, Meine Geschichte mit der Magersucht 05, Meine Geschichte mit der Magersucht 06, Mein Leben mit der Magersucht 07

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